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corona diary

corona diary #3

Ein sonniger Tag. Die Japanische Kirsche im Garten blüht wunderschön. Ein Thema, das heute in mehreren Telefonaten generationenübergreifend immer wieder aufkam, ist die Frage nach dem Umgang mit dem Tod. Für wie selbstverständlich sehen wir Tod als einen Teil des Lebens? Welche Lebenserwartung können wir erwarten? Und was bedeutet es für Mediziner*innen zumindest situativ über Leben und Tod entscheiden zu können bzw. zu müssen. Diese Fragen beschäftigen mich sehr. Denn für mich ist klar, dass es nicht die Entscheidung der individuellen Arzt*innen sein kann, denn diese würden massiv emotional überlastet. Es ist unsere Gesellschaft die gemeinsam Antworten finden muss, wie wir mit Alter, Tod und sterben sowie Trauer umgehen wollen.

Wenn wir uns über diese Fragen verständigt haben, dann können wir auch Ärzt*innen Entscheidungsleitlinien an die Hand geben, die zumindest einen Teil der Schwere der Entscheidung abnehmen.

Ich denke, eine Situation in der massenhaft Menschen in Krankenhäusern sterben, muss in jedem Fall vermieden werden, denn dann wäre kein würdevolles Sterben möglich. Dies aber belastet Angehörige ebenso wie die Mitarbeitenden in den Kliniken enorm. Insfoern sind die massiven Einschränkungen des Alltags für einen überschaubaren Zeitraum, sicherlich sinnvoll, um Wege für die Zeit nach dem Shut-Down zu finden.

Aber dieser Shut-Down wird nicht lange aufrechterhalten werden können. Denn sonst steigt die Suizidrate oder die Rate häuslicher Gewalt sicherlich bald viel stärker, als die der Corona-Infizierten. Von den ökonomischen Folgen ganz zu schweigen. Zudem zementiert der Shut-down die Ungleichheit in der Gesellschaft gerade bei jungen Menschen. Bildungserfolg ist momentan noch viel stärker vom Elternhaus und dessen Ausstattung mit Humankapital, Büchern, technischen Geräten und Internet abhängig.

Wir müssen uns für die Zeit nach dem Shut-Down vorbereiten. Dazu gehört auch, eine Diskussion über Lebenserwartung und würdevolles Abschiednehmen und sterben zu führen. Denn ich denke und die verschiedenen Menschen über 70 Jahre, mit denen ich in den vergangenen Tagen sprach, bestätigen es: Es ist wichtiger würdevoll und relativ schmerzfrei zu sterben, als ein wenig länger zu leben. Gerade wenn man schon auf ein erfülltes Leben zurück blickt. Es mag ein Ausschnitt aus einer kleinen Blase sein, aber ohne es Belegen zu können, erinnere ich mich an eine Statistik, in der eine sehr hohe Zahl der Befragten, Angst hatte, alleine sterben zu müssen.

Deshalb meine ich, dass wir eine Diskussion darüber brauchen, wie Menschen mit geringen Überlebenschancen zu Hause Abschied nehmen und sterben können und zugleich eine Ausbreitung des Virus verhindert werden kann. Denn wenn ich die Virologen richtig verstanden habe, dann werden wir das Virus so schnell nicht wieder los. Und die Entwicklung von Impfstoffen innerhalb von 12 Monaten scheint mir bisher auch fast nie geschafft worden zu sein.

Meine Tagebuch-Zeit ist um. Es war nur ein rantasten an dieses Thema, das ich in den kommenden Wochen noch weiterverfolgen möchte.

Wer/was hat mich heute erfreut?

Die Freude meines Sohns über den Corona-Kalender. Wir haben den Adventskalender bestückt. Es gibt jetzt jeden morgen ein paar Lego-Steine.

Und das neue Lieblingsbuch ist überigens: Antje Herdens: Wir Buddenbergs – Der Schatz, der mit der Post kam. erschienen 2018 bei Fischer KJB.

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