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corona diary

corona diary #5

Die Sonne scheint, aber es hatte Nachtfrost. Ich erinnere mich kaum an Frost in diesem Winter. Die Blühten halten hoffentlich durch. Nicht nur damit ich weiter Motive aus dem Garten für die Beitragsbilder habe.

Wir müssen auch in normalen Zeiten unseren Tag selbst strukturieren, weil wir beide in Feldern unterwegs sind, in denen eigenverantwortlich gearbeitet wird, obwohl wir angestellt sind. Über diese Anstellungsverhältnisse sind wir in der gegenwärtigen Situation sehr glücklich. Denn mit den Kolleg*innen, Freunden und Bekannten, die überwiegend selbständig arbeiten oder Unternehmer*innen sind, möchte ich momentan wirklich nicht tauschen. Ich musste mit meinem Team bereits in den letzten Monaten vor Corona einen Schrumpfungsprozess durchmachen, weil Förderprogramme, die unsere Arbeit finanzierten, umstrukturiert wurden. Es war schmerzhaft. Allerdings habe ich dadurch im Moment das Gefühl, jetzt eine Pause in einem Tal zum Sammeln von Kräften für den nächsten Aufstieg zu haben.

Aber die Tagesstruktur ist wichtig. Erst forderte sie meine Partnerin deutlich ein. Ich sehe aber auch für mich, dass ich trotz formal Urlaub, diese Struktur auch brauche, um die verschiedenen Unsicherheiten auszuhalten. In unserer Kleinfamilie kümmert sich einer um unser Kind und der/die andere darf arbeiten bzw. etwas für sich machen. Manchmal muss noch der Video-Babysitter ran, wenn sich, wie heute Video-Meetings überschneiden. Nach dem Abendessen machen wir noch etwas zu dritt. Es funktioniert bisher ganz ok. Aber es fühlt sich dennoch immer nach eher zu wenig Arbeitszeit an. Gestern habe ich auch mit Kolleginnen gesprochen. Gerade für Menschen mit Kindern ist es eher weniger Zeit als mehr, die wir von Corona geschenkt bekommen. Sicherlich ist es mehr Zeit mit unseren Kindern. Das ist auch schön und man kann plötzlich viele Dinge zu Hause zusammen machen, für die sonst die Ruhe fehlt.

Wie sehr von den Entscheider*innen die Kleinfamilie als Hort der Sicherheit und Geborgenheit angenommen wird, halte ich nicht für zeitgemäß. Es gibt gerade auch in der Generation 50+ so viele Menschen, die alleine wohnen, aber ihr Leben mit einem engen Freundeskreis teilen. Sicherlich können sich diese auch telefonisch sprechen. Aber gerade direkte face to face Begegnungen machen einen Unterschied. Meinen Nachbarn sehe ich sonst, fast täglich am späten Nachmittag mit ein zwei Freunden im Garten sitzen. Sie leben nicht in der gleichen Wohnung, aber irgendwie gehören sie doch zum Inventar. Dass sie sich jetzt nicht sehen dürfen, ist sicherlich für alle drei sehr hart.

Und was ist mit den Menschen die Distanzbeziehungen führen, weil sie an zwei verschiedenen Orten arbeiten und auch weiter arbeiten müssen, weil sie nicht ins Home-Office können? Auch für sie sind meist Freundeskreise vor Ort besonders wichtig. Der Verzicht, den alle diese Gruppen in der Gegenwärtigen Situation leisten ist enorm. Außerdem bekommen alle die nicht in der „Norm-Familie“ leben, in der Gegenwärtigen Situation vorgeführt, dass der Staat nicht an sie denkt, obwohl sie doch diejenigen sind, die jetzt ohnehin schon mehr auf sich selbst gestellt sind. Auch vor diesem Hintergrund sollte diese Kontaktsperre nicht zu lange aufrechterhalten werden. Denn die soziale Verhältnismäßigkeit wird umso fragwürdiger je länger der Shut-Down dauert.

Wer/Was hat mich heute erfreut?

Eine Mail von Kolleg*innen aus Berlin mit einer spannenden Projektidee. Ein Gespräch mit einer Leipziger Kollegin. Mein erstes Zoom Webinar.

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